Ich frage mich allmählich, was ich in der Schule überhaupt über Frankfurts Geschichte gelernt habe. Vermutlich nur über Karl den Großen und die Frankenfurt. Die neuere Geschichte muss ziemlich unberührt geblieben sein. Die von Weinbergs waren mir bisher zum Beispiel auch ziemlich unbekannt, obwohl ich den Namen schon gehört habe. Sie waren in Frankfurt kulturell und als Mäzene außerordentlich aktiv. Ihr einziger Fehler: sie waren Juden und Arthur von Weinberg starb im Konzentrationslager. Die Frankfurter Rundschau widmet in der Osterausgabe der Familie einen großen Beitrag und ich habe zum ersten Mal eine Menge über diese Menschen erfahren. Ich vermute, dass unsere Lehrer in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts noch eine Menge Probleme mit dem “Tausendjährigen Reich” hatten.
Über Carl von Weinberg kann man bei Wikipedia nachlesen: Im damals noch nicht eingemeindeten Schwanheim hatte er sich 1898 zusammen mit seiner englischen Frau Mary die Villa Waldfried im englischen Landhausstil erbauen lassen. Der Brunnen des im Krieg zerstörten Hauses steht seit 1952 im Garten des Nebbienschen Gartenhauses, einem Künstlertreff in der Bockenheimer Anlage in der Frankfurter Innenstadt. Im Jahre 1908 wurde der Familie der Adelstitel verliehen.
Zusammen mit seinem Bruder Arthur gab er diversen Institutionen (unter anderem der Universität Frankfurt) zahlreiche finanzielle Zuwendungen. 1921 wurde in Schwanheim mit seiner Unterstützung die nach ihm benannte Carl von Weinberg-Schule errichtet. Auch die Gründung des Frankfurter Golf Clubs im Jahr 1913 und die Poloanlage gehen auf seine Initiative zurück. Ebenfalls gründete er das Gestüt Waldfried, das weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekannt wurde. 1927 wurde er mit der Ehrendoktorwürde der Universität Frankfurt ausgezeichnet, 1928 erhielt er die silberne Plakette der Stadt Frankfurt verliehen.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden die Brüder vonWeinberg aufgrund ihres jüdischen Glaubens verfolgt. Nach den Novemberpogromen 1938 musste Carl von Weinberg seine Villa Waldfried zusammen mit seiner bedeutenden Kunstsammlung für einen Bruchteil ihres Wertes an die Stadt verkaufen.
Nach dieser Enteignung ging er ins Exil zu seiner Schwester nach Italien. Am 14. März 1943 starb er in Rom, sechs Tage bevor sein Bruder Arthur im KZ Theresienstadt verstarb.
Ein Foto von 1935 zeigt die im Krieg zerstörte Villa Waldfried
Es gibt im Internet eine Seite Frankfurt 1933 – 1945, die werde ich mir jetzt mal näher ansehn. Als Header dient dort ein Bild, das Zwangsarbeiter in Höchst zeigt. Das liegt mir noch näher und darüber weiß ich auch nichts.
Die NSDAP feierte das Hissen der Hakenkreuzfahne an der Fassade des Römers am Vormittag des 13. März 1933 als Beginn des 3. Reichs in Frankfurt.
Wie sagten unsere Eltern und Großeltern immer: wir haben doch nichts davon gewusst!
Anklicken für große Darstellung – solche Bilder muss man erstmal richtig wahrnehmen

